Trekking im Frankenwald

web506/ August 4, 2020/ Allgemein/ 0Kommentare

Es tut gut, zwischendurch für ein paar Tage in der Natur zu sein. Hier folgen Bilder einer 3,5tägigen Trekkingtour im Frankenwald (Bayern/Thüringen) von Naila nach Wurzbach. Insgesamt waren ca. 40 km zu laufen. Das Besondere war und ist, dass im Frankenwald mittlerweile Trekkingplätze aufgebaut werden. Zur Zeit sind drei Trekkingplätze vorhanden. Zwei von ihnen wurden frisch im Mai eröffnet. Dort können je bis zu vier Zelte aufgebaut werden. Es gibt eine Lagerfeuerstelle samt Feuerholz und ein Plumpsklo. Diese Trekkingplätze südlich und nördlich von Schwarzenbach am Wald (Döbraberg und Rehwiese) werden von Ehrenamtlichen gepflegt. Ihnen gilt echt viel Respekt! Auch die örtlichen Verwaltungen zahlen bei diesen Plätzen drauf. Denn für eine Übernachtung pro Platz (für dann zwei Personen) zahlt man bei der Online-Buchung nur 10,-€. Wenn man sich bewusst macht, dass hier nicht nur die Ehrenamtlichen engagiert sind, sondern auch die Stadtverwaltungen, die Forstämter und manch andere Behörde, dann wird schnell deutlich, dass die 10,-€ nur ein Symbol sind (hier der Link zur Buchung der Trekkingplätze im Frankenwald).

Bei solchen Touren entschleunigt sich das Leben enorm. Der Tagesablauf ist einfach: Aufstehen, Frühstücken, Zähneputzen, ggf. ein Geschäft erledigen, alles zusammenpacken und dann weiterziehen. Zwischendurch muss der Wasservorrat aufgefüllt werden. Und vor allem hier im Frankenwald muss immer wieder die Wanderkarte studiert werden, weil es zig verschiedene Wanderrouten gibt. Das „Verlauf-Potential“ erschien mir größer als in Norwegen oder Schweden. Aber letztlich geht es um das Laufen. Und immer mal wieder Pause machen. Waldhimbeeren essen. Wasser trinken. Schweigen. Sich austauschen. Und dann das neue Lager finden, um zur Ruhe zu kommen. Solch eine Trekkingtour tut gut!

Der erste Trekkingplatz auf dem Döbraberg bei Schwarzenbach (Frankenwald)
Unser Tarp

Wir hatten für unsere Tour zwei Tarps dabei, die wir hier miteinander verbunden hatten. Das Gesamtgewicht beim Transport war vielleicht nur unwesentlich weniger, als wenn wir ein Zelt transportiert hätten. Dennoch bietet so ein Tarp verschiedene Aufstellmöglichkeiten. Und was für diese Trekkingtour noch wichtiger war, war, dass wir eine Nacht jenseits eines Trekking- und Campingplatzes eingeplant hatten. Da das Zelten im Wald grundsätzlich verboten ist, bleibt in solchen Fällen nur das Biwakieren oder eben ein Tarpaufbau.

Gut, dass mir das vor der Trekkingtour noch eingefallen war: ein Teelicht in einem kleinen Gläschen (Windschutz) unter dem Tarp sorgt für Licht und für eine gemütliche Stimmung.

Tarp – Innenansicht

Auf den Touren in Skandinavien schwöre ich auf einen Gasbrenner. Aber hier kam zum ersten Mal seit Jahren ein kleiner Esbit-Kocher zum Einsatz, um den morgendlichen Kaffee zu erhitzen.

Am nächsten Morgen kam dann einer der ehrenamtlichen Helfer am Trekkingplatz Döbraberg vorbei und schaute, ob alles in Ordnung ist. Ein freundlicher Mann, der mit zwei Kollegen zusammen jeden Tag den Platz kontrolliert. Was für ein Einsatz! Dafür braucht man Leidenschaft. Er erzählte, dass weitere 6-7 Trekkingplätze in der Region Frankenwald geplant sind, damit eines Tages eine Rundtour von Platz zu Platz möglich sein kann. Für Trekkingfreunde wäre das ein Riesengewinn. Zudem half er uns, eine Wasserquelle zu finden, die nur ca. 300 Meter entfernt war.

Naja, ich sage es mal so: Zur Not hätten wir das Wasser nehmen und filtern können. Gewiss besser als zu verdursten. Dieses Mal verzichteten wir darauf und hofften, unterwegs an einer fließenden Quelle vorbeizukommen.

Die nächsten Kilometer führten ein Stück durch Schwarzenbach am Wald und dann wechselten sich Graswege, Asphalt und Forstwege ab. An manchen Ecken ähneln die Bilder manch Wanderetappen in Schweden.

Was in den Bildern weniger deutlich wird, ist, dass es immer wieder hoch und runter ging. Bergauf, bergab. Dabei wurden ja keine 2000’er erklommen, sondern vielleicht je nur 100 Höhenmeter überwunden. Aber wenn es immer wieder mal 50 Meter hoch sind, dann wieder 50 Meter runter, dann 30 Meter hoch, 20 Meter runter…, dann ist das anstrengend. Für mich hat es sich gelohnt – nicht nur wegen des Tarpaufbaus – die Trekkingstöcke mitzunehmen. Wiewohl wir nicht in den Alpen waren, so entstand doch irgendwann ein ähnliches Körpergefühl beim Wandern.

In der Region des Frankenwaldes sind immer wieder Bächlein und kleine Seen zu entdecken. Wie erwähnt: im Notfall würde man nicht verdursten. Es kann sich bei mehrtägigen Touren durchaus lohnen, ein Filtersystem dabei zu haben. Dennoch reichten unsere Wasservorräte noch ein Stückchen, zumindest bis zum Abend, weshalb wir nicht bei den erstbesten Wasserquellen zulangten. Auf unserer Wanderkarte waren noch andere Quellen eingezeichnet, die direkt aus der Landschaft entspringen sollten. Von dort versprachen wir uns relativ sauberes Trinkwasser.

Laut Googlemaps sollten es vom Trekkingplatz Döbraberg bis zum Trekkingplatz Rehwiese nur ca. 10 km sein. Nun hatten wir uns aber kaum über Google orientiert, sondern per Wanderkarte, weshalb wir vielleicht nicht den gradlinigsten Weg gegangen waren. Zudem, wie schon „beklagt“, ging es viel hoch und runter. Wir waren um ca. 12.00 Uhr losgelaufen und nun brach schon der frühe Abend an. Natürlich hatten wir Pausen gemacht und hatten uns nicht gehetzt, dennoch war ich fertig.

Dann hatten wir es geschafft! Wir waren am Trekkingplatz Rehwiese angekommen. Zwar gibt es an diesem Trekkingplatz keinen Ausblick auf das Tal, aber dafür waren wir umringt vom Wald, was wiederum den Wind abbremste. Es sah hier sehr idyllisch aus. Und an der Stelle entronn mir ein „Halleluja“: denn der ehrenamtliche Aufpasser für diesen Platz hatten eine Box aufgestellt, in der zig Wasserflaschen lagen. Zu entnehmen gegen eine Spende. Ich war so dankbar! Das kostbare Nass!

Der Kontrolleur kam am Abend dann mit seinem Traktor vorbei, wobei sich herausstellte, dass er eigentlich einen Bürojob hat, aber in seiner Freizeit Bäume fällt und sich um diesen Trekkingplatz kümmert. Hut ab! Ich war sehr dankbar für seinen Einsatz. Dann erzählte er, dass er ab und zu auch Bier für die Gäste dabei hat. Nur heute nicht.
So dicht können Glück und Unglück beieinander liegen.

Am nächsten Tag sollte es dann ca. 18 km nordwärts in Richtung Wurzbach gehen. Das Trinkwasser hätten wir uns natürlich aus der Box nehmen können, aber uns reizte dann doch mehr das Wasser aus einer nahegelegenen Quelle. Diese ist sogar auf der Wanderkarte eingezeichnet und auch der Aufpasser meinte, dass man daraus trinken könne, es würde sich um eine Heilquelle handeln, und er würde auch hin und wieder einen Schluck daraus nehmen. Das hatte uns Mut gemacht, und so fanden wir die Quelle vielleicht einen Kilometer entfernt. Wir füllten unsere Trinkflaschen ab, probierten und befanden das Wasser für gewöhnungsbedürftig. Dann blickten wir auf die danebenstehende Infotafel.

Hohe Mengen an Natrium, Calcium, Magnesium und Eisen. Ja, irgendwie gesund schmeckte das Zeug, aber wir waren uns plötzlich unsicher, ob wir es literweise an einem Tag trinken sollten. Spätere Recherchen ergaben, dass der überhöhte Genuss zu etlichen Beschwerden führen könnte: Durchfall, Verstopfung (je nachdem…), Magenschmerzen, Kopfschmerzen, Muskelschwäche uvm. Das heißt: Ja, mal ein Glas am Tag wäre gewiss gut, aber keine 5-6 Liter pro Tag! Schweren Herzens kippte ich das meiste Gesöff wieder weg. Bloß: Woher sollte nun mein Trinkwasser kommen?

Vorab hatte ich im Internet entdeckt, dass es in der Nähe einen Imker gibt, der fast jeden Tag Honig verkauft. Ich fand ihn in einem kleinen Kaff. Mir wurde frisches Wasser aus dem Hahn gegeben, ich hinterließ etwas Geld dafür und kaufte zur Feier des Tages einen Honigwein von ihm. Mein Trinken war gerettet!

Auf dieser Tour sind wir an manch winzigen Ortschaften vorbeigekommen. Für mich als Großstädter war es ein merkwürdige Atmosphäre. Alles war so ruhig. Selten war ein Mensch zu sehen. Es gab keinen Verkehrslärm. Ich kam mir wie ein einsamer Cowboy in einer fremden Westernstadt vor. Andere Winzig-Orte sahen so aus, als hätten sie ihre besten Zeiten hinter sich.

Weitere Eindrücke, bis hin zum Vogelberg. Überschreitung der Landesgrenze Bayern – Thüringen. Vorbei an Buchenwäldchen, Schierferplatten, auf Forstwegen…

Und endlich am Vogelberg bei Wurzbach angekommen!

Usprünglich dachte ich, ich übernachte in einer Hängematte. Das erste Mal in meinem Leben. Das wurde nichts. Bei jeder Bewegung schaukelt das Ding. Und dann bewegte sich die Hängematte über irgendwelche Gräser, verursachte Geräusche… und weil die Matte in einer dunklen Ecke hing, die mir dann nicht ganz geheuer wurde, entschloss ich mich, zu biwakieren: also die Matte hinlegen, Schlafsack raus und ich rein. Schlafen unter dem Sternenhimmel, um sich dann von den Sonnenstrahlen wecken zu lassen.

Schließlich waren wir am nächsten Tag in Wurzbach angekommen. Ein kleiner Ort mit Schattenseiten und schönen Ecken. Ein Ort, bei dem man merkt: der hat seine beste Zeit hinter sich. Dennoch ist das Potential zu spüren. Ein kleiner Dorfpark war echt schön angelegt. Der kleine Marktplatz wirkte hell und freundlich. An den Bahnhof angeschlossen. Ein sehr offener und freundlicher Wirt im örtlichen Restaurant, wo wir ein Frühstück bekamen und die Toiletten nutzen konnten. Ein netter Ort. Doch der Bahnhof selbst zeigte auch: hier fehlt Geld für Investitionen.

Auch diese Tour hat wieder deutlich gemacht: die Nähe zur Natur ist Lebenselixier. Ein einfacher Tagesrhythmus tut der Seele besser als das übliche Alltags-Rummelfest mit Medienbespaßung und Terminjagden. Die körperliche Bewegung hilft beim Durchatmen. Und wenn man mit jemanden unterwegs ist, der schweigen und reden kann, dann ist es perfekt. Eine Auszeit für Körper, Seele und Geist – inmitten von Deutschland.

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